Wer hat das beste KI-Modell? Die Tech-Unternehmen liefern sich gerade ein Kopf-an-Kopf-Rennen. OpenAI, Anthropic, Google & Co. veröffentlichen immer leistungsfähigere Modelle, die komplexer denken, besser formulieren und transparenter arbeiten, so zumindest das Versprechen.
Microsoft hat diese Entwicklung offenbar erkannt. Statt sich ausschließlich auf die GPT‑Modelle von OpenAI zu verlassen, öffnet sich der Konzern nun für andere Anbieter. Mittlerweile lassen sich auch die hochgelobten KI‑Modelle von Anthropic – darunter Claude Opus – direkt in Microsoft 365 Copilot nutzen.
Doch wo kannst Du Claude Opus aktivieren? Wie wählt man das gewünschte Modell aus? Was sollten Copilot-Nutzer dabei beachten? Alle Infos dazu gibt’s in diesem Beitrag.
Claude Opus im M365 Copilot Chat aktivieren
Vielleicht ist Dir die Schaltfläche rechts oben im M365 Copilot Chat schon aufgefallen: Die Grundeinstellung für die Modellauswahl lautet Auto für Automatisch. Das bedeutet: Der KI-Assistent entscheidet eigenständig, welches Modell für Deine Anfrage eingesetzt wird.
Stattdessen kannst Du auf den Button klicken und dann im Menü darunter ein bestimmtes KI-Modell auswählen.

- In jedem Fall solltest Du hier eines der aktuellen GPT-Modelle auswählen können, denn Microsoft hat ja nach wie vor eine Kooperation mit Open AI.
- Mit entsprechender Lizenz und Freigabe Deiner IT-Abteilung steht auch Claude Opus bereit, das aktuelle KI-Modell von Anthropic.
Deine Auswahl gilt dann für jeden weiteren Prompt im aktuellen Chat sowie für jede neue Unterhaltung mit Copilot – bis Du eine andere Option auswählst oder die Webseite neu lädst.
Meine Erfahrung mit Claude Opus im Copilot-Chat
Claude Opus fällt hier vor allem durch eines auf: Das KI-Modell macht seine einzelnen Arbeitsschritte sehr transparent. „Gedankengänge“, also Annahmen und Zwischenschritte, werden oft ausführlicher erklärt als bei den GPT‑Modellen.
Ob die generierte Antwort tatsächlich besser ist, hängt nach meiner Erfahrung von Deiner Aufgabenstellung im Prompt ab:
- Bei mehrstufigen und analytischen Aufgaben ist Claude Opus offenbar im Vorteil.
- Bei einfachen Wissensabfragen und beim Erstellen von Texten empfinde ich den Unterschied als gering.

Meine Empfehlung für die Praxis: Öffne zwei Browser‑Tabs nebeneinander und lass dieselbe Aufgabe einmal mit GPT und einmal mit Claude ausführen. So kannst Du die Ergebnisse gut miteinander vergleichen.
In Microsoft Edge klappt das übrigens besonders komfortabel: Dank der integrierten Funktion Bildschirm teilen siehst Du beide Chat-Fenster im Browser direkt nebeneinander.
Microsoft Edge: Zwei Webseiten nebeneinander anzeigen
Claude im Recherche‑Agent – auch als Duo
Jetzt wird’s noch spannender: Claude Opus steckt auch im vorkonfigurierten Recherche‑Agent (Researcher) von Microsoft.
Dieser Copilot Agent ist darauf ausgelegt, komplexe Fragestellungen tiefgehend zu analysieren, unterschiedliche Quellen auszuwerten und seine Ergebnisse sauber zu strukturieren.
Genau hier kann Claude seine Stärke im Deep Reasoning ausspielen – also im intensiveren „Nachdenken“ über ein Thema.
Microsoft geht aber noch einen Schritt weiter: Im Recherche‑Agent kannst Du nicht nur Claude auswählen, sondern die zusätzliche Option Modellgremium.

Das bedeutet: Beide KI-Modelle, also GPT und Claude, arbeiten parallel an derselben Aufgabe. Die Modelle kontrollieren ihre Ergebnisse gegenseitig und ergänzen sich, um gemeinsam die bestmögliche Antwort auszugeben.
Dank Modellgremium sollen Widersprüche und Schwächen auffallen und korrigiert werden. Das Ergebnis ist ein robuster und ausgewogener Text, der die besten Eigenschaften der beiden KI-Technologien vereint.

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Claude Opus in Copilot Cowork auswählen
Cowork ist ein spezieller Arbeitsmodus, in dem der KI-Assistent nicht nur antwortet, sondern selbstständig Aktionen übernimmt. Hier kann Copilot zum Beispiel E-Mails im Postfach sortieren, Termine im Kalender eintragen und vorhandene Dateien bearbeiten.
In Cowork kommt bereits standardmäßig und ausschließlich Claude zum Einsatz. Statt der Einstellung Automatisch kannst Du hier gezielt das aktuelle Modell Claude Opus 4.7 auswählen.

Die KI plant ihre Arbeitsschritte selbstständig. Du kannst quasi live verfolgen, wie die gewünschten Aufgaben sukzessive erledigt werden. Bei kritischen Aktionen mit möglichen Konsequenzen fordert der Chatbot Deine Bestätigung an. Beispiele für den Einsatz zeige ich Dir in meiner Anleitung für Copilot Cowork:
Claude Opus in den Office‑Apps verwenden
Auch innerhalb der Office‑Anwendungen hast Du inzwischen die Wahl, welches KI‑Modell Dir antworten und an einem geöffneten Dokument arbeiten soll. Ich zeige Dir den Weg hier beispielhaft in der Tabellenkalkulation Microsoft Excel:
- Öffne Copilot, indem Du das Symbol oben im Menüband von Excel unter Start anklickst.
- Entscheide über dem Eingabefeld, ob der KI-Assistent nur Deine Fragen beantworten soll oder ob er die geöffnete Arbeitsmappe auch bearbeiten darf.
- Klicke erst rechts oben auf Auto und dann in der Auswahl darunter auf das gewünschte KI-Modell, zum Beispiel Claude Opus 4.7.

Deine Befehle werden ab sofort von der entsprechenden Technologie ausgeführt. Claude Opus eignet sich in Excel besonders gut für
- erklärende Kommentare zu komplizierten Formeln,
- strukturierte Auswertungen in mehreren Schritten und
- nachvollziehbare Begründungen bei umfangreichen Analysen.
Gerade für Einsteiger ist diese Transparenz ein echter Pluspunkt.
Einstellungen für Anthropic im Admin Center
So beeindruckend die Fortschritte der neuen Technologien auch sind: Für IT‑Verantwortliche beginnt hier der heikle Teil.
Claude wird nämlich von der Firma Anthropic betrieben. Laut Microsoft können dabei Daten außerhalb der EU‑Datengrenze verarbeitet werden. Das kann hierzulande ein rechtliches Problem darstellen, insbesondere im Kontext von DSGVO, Auftragsverarbeitung und internen Richtlinien.
Das gilt übrigens auch für das Frontier‑Programm, innerhalb dessen neue Funktionen für M365 Copilot frühzeitig ausprobiert werden können. Dazu gehörte zuletzt auch der Einsatz anderer KI-Modelle.
Im Admin Center von Microsoft 365 kann bzw. muss der KI‑Anbieter Anthropic als sogenannter „Unterauftragsverarbeiter“ aktiviert werden.
- Wechsle links im Menü unter Copilot zu den Einstellungen. Unter Alle anzeigen findet Du den Eintrag für andere KI-Anbieter.
- Lies Dir rechts im Fenster die zusätzlichen Bedingungen durch. Du musst sie über einen Haken explizit akzeptieren.
- Du kannst außerdem entschieden, welche Benutzer oder Gruppen überhaupt auf die Anthropic-Modelle zugreifen dürfen.

Erst danach sollten Endanwender ohne zusätzliche Berechtigung Claude Opus in den oben genannten Bereichen von Microsoft 365 Copilot auswählen können.
Fazit: Mehr Auswahl, mehr Verantwortung
Mit der Integration weiterer KI-Modelle macht Microsoft einen bedeutenden Schritt – vor allem aus der Abhängigkeit von Open AI.
Wir Nutzer profitieren durch diesen Wettbewerb von einer größeren Auswahl und damit hoffentlich auch von besseren Ergebnissen beim fortgeschrittenen Einsatz von M365 Copilot.
Für IT-Administratoren bedeutet das aber auch: Sie müssen neue Entscheidungen treffen und sich technisch und rechtlich auf den aktuellen Stand bringen. Dazu gehört aus meiner Sicht immer auch eine verständliche Kommunikation innerhalb der Einrichtung.
Wer das alles sinnvoll zusammendenkt, bekommt mit GPT und Claude ein extrem starkes KI‑Duo im Arbeitsalltag. Dazu gehört auch das Wissen, wann Du welchen Arbeitsmodus nutzen solltest:

