Eigentlich ist es ganz einfach: Ab sofort müssen bestimmte KI-generierte Inhalte gekennzeichnet werden – so wie ich es in meinen Richtlinien für Firmen und Schulen schon lange vorschlage.
Microsoft bietet dafür eine Einstellung an. Mit M365 Copilot erstellte Bilder erhalten auf Wunsch ein sichtbares Wasserzeichen.
Wie Du diese Kennzeichnung aktivierst – und warum diese Markierung aus rechtlicher Sicht nicht ausreicht, erfährst Du in diesem Beitrag.
Worum geht’s eigentlich der EU?
Die neuen Transparenzpflichten – gültig seit August 2026 – sind eine Vorgabe der EU und Teil des europäischen AI Act. Sie gelten vorrangig für Unternehmen und öffentliche Stellen, nicht für Privatpersonen.
Das Ziel: Menschen sollen zweifelsfrei erkennen können, wann sie mit künstlich erzeugten oder manipulierten Inhalten in Berührung kommen.

Mal wieder ist die Verunsicherung groß. Viele Portale berichten, dass jetzt „alle KI-Bilder gekennzeichnet werden müssen“. So pauschal stimmt das allerdings nicht und wäre auch nicht praktikabel.
- Die Transparenzpflichten gelten vor allem für Fälle, in denen Inhalte für echt gehalten werden könnten, etwa bei fotorealistischen KI-Bildern, bei sogenannten Deepfakes oder anderen künstlich erzeugten Darstellungen realer Personen, Orte und Ereignisse. Es geht also darum, eine mögliche Verwechslungsgefahr zu vermeiden.
Meine Faustregel
Wenn ein KI-Bild für ein echtes Foto oder einen authentischen Beleg gehalten werden könnte, solltest Du es kennzeichnen.
- Bei dekorativen Illustrationen, abstrakten Symbolbildern oder offensichtlichen Fantasiedarstellungen ist die Gefahr einer Täuschung geringer. Dann kann eine freiwillige Kennzeichnung trotzdem sinnvoll sein, zum Beispiel um Transparenz zu schaffen und möglichen Fragen vorzubeugen.
Welche KI-Kennzeichnung bietet Microsoft an?
Die Anbieter von KI-Systemen arbeiten seit einer Weile an technischen Funktionen, die Inhalte entsprechend kenntlich machen. Microsoft setzt dabei auf zwei Verfahren:
Metadaten
Wenn Du mit einer digitalen Kamera oder mit dem Smartphone ein Foto knipst, kann die Bilddatei verschiedene Informationen enthalten, zum Beispiel zum Gerät, zu den verwendeten Einstellungen und zu Deinem Standort. Diese Metadaten sind maschinenlesbar, lassen sich also per Software ermitteln und anzeigen.
Solche unsichtbaren Infos fügt auch M365 Copilot in seine erzeugten Bilder ein. Du kannst die Herkunftsnachweise (Content Credentials) mit Tools wie diesem auslesen.

Solche versteckten Metadaten genügen aber natürlich nicht, um Deinen Transparenzpflichten nachzukommen.
Wasserzeichen
Auf Wunsch werden sichtbare Wasserzeichen eingefügt. Dann ist rechts unten auf dem KI-Bild ein kleines Copilot-Symbol zu sehen.

Es gibt bislang aber keine globale Einstellung dafür. Jeder Nutzer muss die Wasserzeichen eigenständig für sein Konto aktivieren.
- Melde Dich im Online-Portal von Microsoft 365 an.
- Klicke links unten auf Dein Profilbild und dann auf Konto anzeigen.
- In dem neuen Fenster wechselst Du links im Menü zu Mein Konto • Einstellungen und Datenschutz.
- Dort findest Du den Schalter für die Option „Wasserzeichen einschließen, wenn Bilder aus Microsoft 365 KI-generiert sind“.

Nach der Aktivierung sollte Copilot alle neu erzeugten KI-Bilder automatisch mit seinem Logo als Kennzeichnung versehen.
Weitere KI-Funktionen lernst Du in meinem Handbuch „Microsoft 365 für Einsteiger“ kennen – natürlich inklusive Copilot!

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Reicht das Wasserzeichen rechtlich?
Das Problem: Die EU macht in ihrer Regelung keine genauen Vorgaben für Art und Größe der Kennzeichnung.
Das Wasserzeichen von M365 Copilot ist aus meiner Sicht jedenfalls keine ausreichende Lösung, um den KI-Einsatz transparent zu machen.
- Das hellgraue Icon ist unauffällig und im Verhältnis zum Gesamtbild winzig. Je nach Bildmotiv im Hintergrund kann man das kleine Wasserzeichen kaum erkennen, theoretisch auch leicht entfernen.

- Viel wichtiger: Wir können nicht voraussetzen, dass das Symbol ausreichend bekannt ist und von allen Menschen eindeutig als KI-Hinweis verstanden wird. Das gilt übrigens auch für die Logos anderer Anbieter wie Open AI (ChatGPT) und Gemini (Google).
Wer Inhalte veröffentlicht und verbreitet, ist für die Einhaltung der Gesetze verantwortlich. Wenn Du also Marketing-Material, Präsentationen oder Unterrichtsmaterial mithilfe von KI erstellst, solltest Du Dich nicht auf die unscheinbare Copilot-Markierung verlassen.
Tipps zum Kennzeichnen von KI-Bildern
- Entscheide bewusst, ob eine Abbildung als KI-generiert gekennzeichnet werden soll – entweder weil Verwechslungsgefahr zu echtem Bildmaterial besteht oder weil die Transparenz im Sinne der Medienkompetenz sinnvoll ist.
- Ergänze je nach Kontext einen gut sichtbaren und eindeutigen Hinweis, zum Beispiel direkt auf der Abbildung, als Bildunterschrift oder als Fußnote. Bewährt haben sich Formulierungen wie „KI-generiertes Symbolbild“ oder „Abbildung mithilfe von KI erstellt“.

- Aktiviere die Wasserzeichen in M365 Copilot zumindest als Gedächtnisstütze, die Dich an die Transparenzpflichten erinnert.
Der zusätzliche Aufwand ist minimal. Gleichzeitig förderst Du damit das Vertrauen in Deine Inhalte sowie einen verantwortungsvollen Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Das ist schließlich der eigentliche Gedanke hinter der EU-Regelung.
Dieser Beitrag stellt keine Rechtsberatung dar. Bei konkreten juristischen Fragen sollten Sie sich an die zuständigen Stellen oder eine Rechtsberatung wenden.


