Kaputte Tablets, Laptops & PC-Hardware reparieren lassen?

Wie gut lassen sich kaputte Tablets und Laptops reparieren? Was sollte man beachten, bevor man teure Hardware anschafft und Dienstgerät für Job und Schule anschafft? Warum kann man nicht jedem Reparatur-Service vertrauen? Tipps und Erfahrungen dazu sammle ich in diesem Beitrag.

Wie reparierbar sind Tablets und Laptops?

Fakt ist: Moderne elektronische Geräte lassen sich oft nur schlecht oder gar nicht reparieren. Das gilt besonders für mobile Hardware wie Tablets, Laptops und auch Smartphones. Die Bauteile im Gehäuse sind oft auf kleinstem Raum zusammengequetscht und verklebt.

Eindrucksvoll zeigt das die Website iFixit für viele gängige Geräte: Um die Reparierbarkeit zu testen, nimmt das Team regelmäßig neue und teure Technik auseinander.

Surface Pro von innen - Quelle: https://de.ifixit.com/
Surface Pro von innen – Quelle: https://de.ifixit.com/

Dann beurteilen die Experten, ob und wie sich einzelne Elemente austauschen lassen. Die Ergebnisse sind für die meisten populären Modelle namhafter Hersteller enttäuschend.

Warum man Tablets, Laptops und Handys so baut, kann ich oft nachvollziehen: Die elektronischen Begleiter sollen heute so mobil wie möglich sein. Kunden lechzen nach immer besserer Technik in möglichst flachen und leichten Gehäusen.

Es ist also durchaus beeindruckend, was die Hersteller in einem dünnen Smartphone so alles unterbringen. Darunter leidet nur eben auch die Flexibilität, im Reparaturfall jedes Bauteil einzeln entnehmen und bei Bedarf austauschen zu können.


Geplante Obsoleszenz: Mythos ohne Beweise

Bauen Hersteller ihre Laptops und Tablets absichtlich so, dass diese nach Ablauf der Garantie kaputt gehen und sich schlecht reparieren lassen?

Geplante Obsoleszenz ist der Fachbegriff dafür. Er löst in Technikforen immer wieder Glaubenskriege aus.

Bislang gibt es weder handfeste Beweise noch eindeutige Studien, die geplante Obsoleszenz als generelle Strategie von Firmen belegen. Trotzdem hält sich der Eindruck hartnäckig – in einer schnelllebigen Welt, in der immer wieder neue Hardware auf den Markt kommt und Kunden ständig „up to date“ sein wollen. Reparieren ist out, neu kaufen ist in.

Besonders ärgerlich ist das bei Technik mit fest eingebautem Akku. Aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften machen Akkus meist zuerst schlapp. Irgendwann kann das Gerät im Alltag kaum noch genutzt werden kann. Das ist vor allem mobile Arbeiter ein Problem: Sie sind auf ihren Laptop oder Tablet-PC meist einen ganzen Tag lang angewiesen.

Leider sind Akkus oft so im Gehäuse verklebt, dass ein Austausch selbst für erfahrene Dienstleister knifflig ist. Manche gehen in ihren Angeboten per se davon aus, dass dabei der Bildschirm bricht und direkt auch kostenpflichtig zu ersetzen ist.

Kaputt auf Zeit – auf Wunsch der Kunden?

In Deutschland gab es bereits mehrere Studien und Gutachten zur geplanten Obsoleszenz. Die meisten kommen zu dem Schluss, dass die Qualität teurer Computer oft besser ist. Deshalb halten diese meist länger als preiswerte Produkte. Das sind aber keine absichtlich eingebauten Schwachstellen, befand unter anderem die Stiftung Warentest bei einer Testserie.

Die Uni Bonn forschte 2016 fürs Umweltbundesamt zu dem Thema. Auch ihre Studie konnte nicht nachweisen, dass Elektrogeräte gezielt mit verkürzter Lebensdauer hergestellt werden. Vielmehr liege bei den Verbrauchern eine entscheidende Verantwortung: Sie kaufen häufiger neue Computer, obwohl die alten noch funktionieren oder nur mal frisch installiert werden müssten.

Möglichst billig sollen die Geräte auch sein. Deshalb haben Hersteller zum Beispiel einen kürzeren Lebenszyklus im Blick und setzen auf günstigere Materialien. Ein Teufelskreis! Ich gestehe: Auch mich reizt es, die jeweils neueste Generation elektronischer Geräte auszuprobieren. Immerhin sind die Entwicklungssprünge von PC-Hardware seit einigen Jahren nicht mehr ganz so groß.

Bei der Veröffentlichung der oben genannten Studie appellierte man jedenfalls an die Konsumenten, beim Kauf verstärkt auf Technik zu setzen, die sich langfristig reparieren lässt. Auch die Politik hat das Thema Obsoleszenz im Blick: Die EU will sich dafür einsetzen, dass wir Produkte länger nutzen und langfristig reparieren lassen können. Im Sinne der Nachhaltigkeit soll sich eine PC-Reparatur nach Möglichkeit eher lohnen als eine Neuanschaffung.

Ich persönlich hoffe eher darauf, dass der Druck junger Kunden einen größeren Effekt hat. So fordert die umweltbewusste Bewegung „Fridays for Future“ ja auch einen schonenderen Umgang mit Ressourcen für mehr Nachhaltigkeit und entsprechende Regeln von der Politik.

Was heißt das für Anschaffungen?

Welche Folgen hat das für Firmen und Schulen, in denen vermehrt technische und elektronische Geräte zum Einsatz kommen? Was sollten IT-Verantwortliche über die eingeschränkten Reparatur-Möglichkeiten von Tablets und Laptops wissen?

Zunächst sollten Einrichtungen hinterfragen, ob es immer der neueste, schnellste, beste PC sein muss. Nicht alle Kolleg*innen brauchen zwingend das gleiche Top-Modell.

Ich finde, dass man gerade in Job und Schule die Auswahl oft bewusster treffen kann, statt alle im Team pauschal mit einem High-End-PC oder Standard-iPad zu versorgen. Beim Abwägen hilft meist eine ehrliche Fallunterscheidung:

  • Für viele typische Aufgaben im Arbeitsalltag genügen vielleicht noch vorhandene PCs und ältere Laptops. Die meisten müssen im Büro ja keine aufwändigen 3D-Spiele zocken. Zum Präsentieren im Team, zum Gestalten von Arbeitsblättern und zum Recherchieren im Internet reichen betagte Computer-Generationen in der Regel aus. Vielleicht lassen sich vorhandene Geräte auch aufrüsten oder einfach neu aufsetzen.
  • Gleichzeitig darf ein veraltetes Gerät aber nicht aufhalten. Nichts ist im Alltag nerviger als ein langsamer Internetbrowser, ruckelnde Videos und nicht enden wollende Windows Updates. Hier gilt es, ein ausgewogenes Konzept für verschiedene Bedürfnisse zu finden – vielleicht auch mit Blick auf verschiedene Arbeitsbereiche, die unterschiedliche Anforderungen mitbringen. Viele Firmen und Schulen verpassen es vor der PC-Anschaffung, die tatsächlichen Einsatzzwecke und sonstige Wünsche der Kolleg*innen einfach mal abzufragen.

In einem früheren Blog-Artikel habe ich bereits weitere Gedanken zu einer sinnvollen Computer-Ausstattung für Lehrer*innen formuliert.


Reparatur-Möglichkeiten vorab klären!

  • Gibt es beim Kauf neuer Geräte die Möglichkeit, die Standard-Garantie von zwei Jahren zu verlängern? Manche Hersteller und Händler setzen auf Langlebigkeit und bieten für den Reparaturfall bis zu fünf sorgenfreie Jahre an. Wäge ab, ob sich so eine Garantieverlängerung für Deine Firma, Schule oder Einrichtung lohnt.
  • Kläre immer vorab, zu welchem Preis und wie schnell angeschaffte Geräte repariert werden können – vielleicht sogar beim Hersteller selbst. Bei einem großen Team bzw. Kollegium werden solche Fälle unweigerlich irgendwann eintreten. Dann solltest Du ohne aufwändige Recherche wissen, wie Du fix und unkompliziert eine Lösung für kaputte Computer findest.
  • Wer sein gesamtes Arbeitsmaterial ausschließlich auf dem Dienstgerät speichert, hat im Reparaturfall ein dickes Problem. Im schlimmsten Fall sind alle Dokumente und Dateien verloren. Allein aus diesem Grund lohnt sich für Betriebe eine Cloud-Lösung wie OneDrive. Wie Du die Cloud sinnvoll einrichtest und auf verschiedenen PCs nutzt, erfährst Du ausführlich in meinem aktuellen Handbuch für Windows 11.
  • Wie sind die Laptops und Tablets eigentlich versichert? Ich bin immer wieder erstaunt, dass die Situation in manchen Einrichtungen komplett ungeklärt ist. Bei der Versicherung sollte auch geklärt sein, in welchem Umfang Kosten für eine Reparatur übernommen werden.

Warnung vor unseriösen Reparatur-Dienstleistern!

Diese Empfehlung liegt mir sehr am Herzen: Suche Dir für alle Fälle einen vertrauensvollen (!) IT-Dienstleister oder -Partner in der Nähe, der die Bedürfnisse von Unternehmen bzw. Schulen kennt. Er sollte Dich fair und verlässlich beraten können, ob sich im Ernstfall eine Reparatur lohnt.

ACHTUNG: Es gibt im Internet diverse Anbieter, die mit falschen Aussagen auf Websites und in Foren bewusst Unsicherheit streuen und so für ihren PC-Reparatur-Service werben. Dieser beispielhafte Tweet einer Werkstatt ist natürlich inhaltlich Unfug und leicht zu widerlegen.

Tweet eines Reparatur-Service (anonymisiert)
Tweet eines Reparatur-Service (anonymisiert)

Fakt ist: Solche Firmen bieten gerne „prophylaktische Maßnahmen“ oder angeblich notwendige Reparaturen an – natürlich kostenpflichtig. Nicht vergessen: Die Werkstätten leben schließlich von Aufträgen und nutzen manchmal die Unwissenheit ihrer Kunden aus.

Bei meiner Recherche stelle ich übrigens fest, dass unseriöse Anbieter auffällig oft die mutmaßliche geplante Obsoleszenz der Hersteller erwähnen (s.o.).


Perspektivische Überlegungen bei Technik-Anschaffungen

Alle obigen Überlegungen gelten übrigens nicht für individuelle Dienstgeräte, sondern auch für die Anschaffung von Smartboards, Beamern und Bildschirmen in Konferenzräumen und Klassenzimmern. Achte bei dieser besonders teuren Technik zum Beispiel darauf, dass sie alle zeitgemäßen Anschlüsse mitbringt und nicht von einem internen Betriebssystem abhängig ist, für das es ggf. schon bald keine Updates mehr gibt.

Weitere perspektivische Fragen gehören aus meiner Sicht zu einem Medienkonzept an Schulen:

  • Wie viele Jahre sollen die angeschafften Laptops und Tablets im Einsatz sein?
  • Nach wie vielen Jahren ist damit zu rechnen, dass die Computer von der nächsten Gerätegeneration abgelöst werden sollten?
  • Gibt es vielleicht sogar eine Idee, was dann mit der alten Technik passieren soll?

Natürlich interessiert mich auch Deine Erfahrung: Wie sind Technik-Reparaturen in Deiner Firma oder Schule geregelt? Weißt Du als Arbeitnehmer, an wen Du Dich bei Problemen wenden kannst? Welche Fragen sind bei Euch ungeklärt? Ich freue mich auf Deinen Kommentar unter diesem Artikel!

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