Microsoft 365 für Linux: Office-Apps mit Ubuntu, Mint & Co. nutzen

Wer das freie Betriebssystem Linux nutzt, muss nicht auf Microsoft 365 verzichten. Allerdings gibt es Einschränkungen: Unter Distributionen wie Ubuntu, Linux Mint & Co. kannst Du die bekannten Office-Apps und weitere enthaltene Anwendungen nicht ohne Weiteres installieren.

Was Du über den Einsatz von Microsoft 365 mit Linux wissen solltest, erkläre ich in diesem Beitrag. Du erfährst, wie Du auf Deine Dateien in der Cloud zugreifst und trotzdem mit beliebten Tools wie Word, PowerPoint und OneNote arbeiten kannst.

Keine offizielle Unterstützung für Linux!

Microsoft bietet seine umfangreiche Software-Sammlung zum Beispiel für Windows und MacOS an. Einige der Tools gibt’s zudem als Apps für iOS, iPadOS und Android. Linux dagegen wird offiziell so gut wie gar nicht unterstützt. Selbst eine entsprechende Version von Microsoft Teams wurde zuletzt eingestellt.

Das ist natürlich schade für Anwender*innen, die aus verschiedenen Gründen mit Linux zu tun haben und gleichzeitig doch mit Microsoft 365 arbeiten müssen oder wollen. Dabei spielt es keine Rolle, ob Du bewusst auf Windows verzichtet oder von einem übervorsichtigen Schulträger zur Linux-Installation genötigt wirst.

In der Vergangenheit ließen sich zumindest die klassischen Office-Programme auf einem Linux-PC nutzen – wenn auch nur über technische Umwege. Im Internet findest Du immer noch zig komplizierte Anleitungen, in denen IT-Freaks aus aller Welt brauchbare Lösungen dafür versprechen.

Ganz ehrlich: Spar Dir die Zeit, Dich durch die Blogs und Foren zu kämpfen! Ich habe nahezu alle Methoden ausprobiert. Die meisten dieser Vorschläge sind entweder veraltet, funktionieren nicht oder sind im Ergebnis umständlich und unbefriedigend.

Microsoft-Tools im Anwendungszentrum

Im Anwendungszentrum von Ubuntu zum Beispiel findest Du mehrere passende Einträge, zum Beispiel für Microsoft To Do, Teams, Skype und OneNote. An den Beschreibungen erkennst Du schon, dass diese Downloads von unabhängigen Entwicklern stammen.

Microsoft-Tools im Anwendungszentrum von Ubuntu
Microsoft-Tools im Anwendungszentrum von Ubuntu

Die bereitgestellten Pakete lassen sich dann mit einem Klick herunterladen und auf dem Linux-PC installieren – ähnlich wie im Microsoft Store für Windows. Danach kannst Du sie wie üblich öffnen.

Microsoft 365 herunterladen in der Anwendungsverwaltung von Ubuntu
Microsoft 365 herunterladen in der Anwendungsverwaltung von Ubuntu

Doch obwohl die Downloads meist 100 MB und mehr umfassen, handelt es sich leider nicht um eigenständige Programme. Beim Start entpuppen sie sich schnell als bloße Verknüpfungen zu den Web-Apps von Microsoft 365. Aus meiner Sicht sind diese sogenannten „Snaps“ nichts anderes als unnötige Mogelpackungen – die teilweise nicht mal funktionieren.

Linux-Programme für Windows-Software

Anwendungen wie Wine und PlayOnLinux wollen es ermöglichen, für Windows entwickelte Software auch unter Linux laufen zu lassen. Vor allem Gamer schwören auf diese Hilfsmittel, um PC-Spiele auf jedem Gerät zocken zu können.

Wer diese Methode in der Praxis ausprobiert, ist aber schnell ernüchtert. Die aktuelle Version von Microsoft 365 konnte ich jedenfalls nicht zum Laufen bringen. Ältere Office-Pakete bis 2016 werden offenbar unterstützt. Man muss aber ständig mit Abstürzen und Fehlermeldungen rechnen – und natürlich auf neuere Funktionen in Word, PowerPoint, OneNote & Co. verzichten. Für verlässliches Arbeiten am PC eignen sich diese Quasi-Emulatoren nach meiner Erfahrung also auch nicht.

Windows als „Virtual Machine“

IT-Profis empfehlen gerne die Einrichtung einer „virtuellen Maschine“. Man nutzt dann quasi das Betriebssystem Windows innerhalb des Betriebssystems Linux. Innerhalb dieser Umgebung kannst Du bei Bedarf auch nicht-kompatible Programme starten, zum Beispiel die Anwendungen in Microsoft 365.

Die Einrichtung so einer „Virtual Machine“ erfordert etwas Einarbeitung und ist aus meiner Sicht nichts für Laien, die sich einfach nur funktionierende Software wünschen. Zudem stößt vorhandene Hardware hier schnell an Grenzen. Diese Lösung ist also nichts für alte Schul-PCs und nichts für schwachbrüstige Dienstgeräte, mit denen Lehrkräfte oft nur ausgestattet sind.


So klappt’s mit Linux und Microsoft 365 im Zusammenspiel:

Regelmäßige Leser*innen wissen, dass ich ein Freund von einfachen, verständlichen und funktionierenden Lösungen bin. Deshalb fasse ich hier zusammen, wie Du Microsoft 365 auf einem PC mit Linux am besten nutzen kannst.

Online-Konten in Ubuntu & Co.: Microsoft 365 verbinden

Ein wichtiger Bestandteil von Microsoft 365 ist der Speicherplatz in der Cloud. Vorgesehen ist, dass Du Dokumente, Präsentationen und weitere Dateien vornehmlich online speicherst, de facto also in OneDrive. In Schul- und Geschäftskonten stehen Dir in der Regel bis zu 1.000 Gigabyte zur Verfügung.

Die weit verbreitete Linux-Distribution Ubuntu wiederum bietet mittlerweile an, dass Du Dein Benutzerkonto von Microsoft direkt verbindest. Du hast dann innerhalb des Betriebssystems Zugriff auf sämtliche Dateien in der Cloud, ohne dafür erst ein Browser-Fenster oder eine zusätzliche App öffnen zu müssen.

Wechsle dafür zu den Einstellungen. Unter Online-Konten klickst Du auf Microsoft 365 und gibst unten die Domain zu Deinem Benutzerkonto ein. Ubuntu öffnet ein Browser-Fenster, in dem Du Dich mit Deinem Kennwort anmelden kannst. Danach sollte Dein verbundener Cloud-Speicher in den Einstellungen angezeigt werden, und zwar oben im Bereich „Ihre Konten“.

Online-Konten von Microsoft in Ubuntu einrichten
Online-Konten von Microsoft in Ubuntu einrichten

Ab sofort wird der Speicherort in den entsprechenden Fenstern als Auswahl angezeigt. Du kannst Dateien in Microsoft 365 also direkt öffnen, verwalten und online speichern. Voraussetzung dafür ist natürlich eine Internetverbindung. Das Prinzip kennst Du vielleicht, wenn Du OneDrive auf dem iPad nutzt und ebenso verbindest.

OneDrive auf dem iPad

OneDrive für iPad: Microsoft-Cloud als Speicherort einrichten

Wie kann man per iPad auf Dateien in OneDrive zugreifen? So nutzt Du die Microsoft-Cloud mit dem Apple-Tablet – per Web-App oder App …

Word, PowerPoint, OneNote & Co. unter Linux nutzen

Wie oben beschrieben: Die beliebten Office-Anwendungen von Microsoft sind nicht nativ für Linux verfügbar, also zur Installation auf dem PC oder Laptop. Dass Du hier trotzdem an Textdokumenten, Rechentabellen, Präsentationen und Notizen arbeiten kannst, verdankst Du den gut gepflegten Web-Apps in Microsoft 365, auch bekannt als Office Online.

Zur Erinnerung: Die Entwickler stellen mittlerweile fast alle Apps und Dienste auch jeweils in einer Browser-Version zur Verfügung. Die Benutzeroberflächen ähneln dabei den installierten PC-Programmen und bieten deren wichtigsten Funktionen an. Du kannst also alle in der Cloud gespeicherten Inhalte ansehen und bearbeiten, benötigst dafür aber eine stabile Internetverbindung.

PowerPoint als Web-App im Browser
Präsentation in PowerPoint als Web-App im Browser

Du findest die Web-Apps im Online-Portal von Microsoft 365. Starte also zunächst Deinen bevorzugten Internetbrowser. In der Standard-Installation von Ubuntu sollte das Firefox sein. Rufe die offizielle Website auf und melde Dich mit Deinen Benutzerdaten an.

Online-Portal von Microsoft 365 im Browser
Online-Portal von Microsoft 365 im Browser

Nun stehen Dir Deine Cloud-Dateien und alle Online-Anwendungen zur Verfügung, darunter zum Beispiel auch Microsoft Teams, Excel, Outlook und OneNote. Eine Übersicht aller vorhandenen Apps siehst Du, wenn Du links oben im Browser-Fenster auf die 9 Punkte klickst. Wähle dann einfach die Software aus, mit der Du als nächstes arbeiten möchtest. Sie sollte sich dann in einer neuen Registerkarte im Browser öffnen.

Weitere Tipps für Office Online mit Linux

Vor allem die Web-App OneNote Online ist unter Linux-Nutzern sehr beliebt. Zu der umfangreichen Notiz-App gibt es im Open-Source-Bereich nämlich kein ebenbürtiges Pendant mit annähernd vergleichbarem Funktionsumfang. Dank Microsoft 365 lassen sich Deine digitalen Notizbücher in der Cloud also auch mit Ubuntu & Co. ansehen und bearbeiten.

OneNote als Web-App im Browser
OneNote als Web-App im Browser

Wenn Du mehr über die vielen Möglichkeiten der Software erfahren möchtest, empfehle ich Dir gerne meine beliebten Handbücher für Microsoft OneNote.

Buchcover von "OneNote für Einsteiger"
Buchcover von "OneNote für Lehrer"

Zwei Bestseller für OneNote

Entscheide selbst, welches Handbuch für OneNote zu Dir passt:

OneNote Online und auch andere Office-Apps bieten zwei verschiedene Menübänder an. In der Regel siehst Du zunächst eine schmale Werkzeugleiste, die Microsoft hier Vereinfachtes Menüband nennt. Über den kleinen Pfeil ganz rechts wechselst Du zum Klassischen Menüband, wie Du es von den installierten PC-Programmen kennst.

Menüband in Office Online wechseln
Menüband in Office Online wechseln

Auf den obigen Abbildungen siehst Du zudem, dass das Betriebssystem und der Browser auf dem Bildschirm viel Raum einnehmen, zum Beispiel für die Startleiste mit den App-Symbolen, für das eingeblendete Datum am oberen Rand, für die Registerkarten geöffneter Websites sowie das Menü mit Adresszeile. Je nach Linux-Distribution können das noch weitere Elemente an anderen Positionen sein. Was für eine Platzverschwendung!

Wenn Du mit den Office-Apps im Browser arbeitest, kannst Du diese unnützen Teile der Benutzeroberfläche leicht ausblenden. In Firefox, Chrome und Microsoft Edge drückst Du dafür einfach die Funktionstaste F11 auf deiner Tastatur. Die Internetseite wird dann im Vollbild angezeigt.

Microsoft Word - Web-App im Vollbild
Microsoft Word – Web-App im Vollbild

Jetzt sehen Microsoft Word und die anderen Web-Apps auf dem Bildschirm fast so aus, als würdest Du die herkömmlichen, installierten PC-Programme nutzen. Um die Vollbild-Ansicht zu beenden, drückst Du einfach ein weiteres Mal auf F11. Alternativ findest Du diese Option übrigens auch in den Browser-Einstellungen, meist unter Zoom.

Mein Fazit zu Microsoft 365 mit Linux

Wer Microsoft 365 auf einem PC mit Linux nutzen möchte, muss Kompromisse eingehen. Das liegt vor allem daran, dass das US-Unternehmen das freie Betriebssystem nicht in gleichem Umfang unterstützt wie zum Beispiel Windows, MacOS und Android.

Vielleicht ist das in Zukunft sowieso nicht nötig: Microsoft arbeitet seit Jahren verstärkt daran, seine Apps und Dienste jeweils auch als Online-Version anzubieten. Manche Anwendungen wie Microsoft Forms und Loop gibt es sogar ausschließlich als Web-Apps. Das Betriebssystem spielt dann also fast keine Rolle mehr. Ein aktueller Browser und eine schnelle Internetverbindung reichen aus, um an jedem Ort mit Deinen bevorzugten Tools zu arbeiten.

Hoffnung macht mir auch, dass sich Online-Konten jetzt direkt in Ubuntu & Co. integrieren lassen. Dass die Entwickler die strikte Trennung von freier und kommerzieller Software endlich überwinden, wünsche ich mir seit Jahren und begrüße ich sehr. Wie schön, dass wir das Beste aus beiden Welten schon so flexibel nutzen können, oder?

Über den Autor

Ich bin Stefan Malter aus Dortmund. Meistens erkläre ich Lehrkräften, wie sie mit Microsoft 365 Education viel Zeit und Arbeit sparen. Dafür wurde ich mehrfach als Microsoft MVP und als Microsoft Innovative Education Expert ausgezeichnet.

Stefan Malter, Autor und Medientrainer aus Dortmund

2 Gedanken zu „Microsoft 365 für Linux: Office-Apps mit Ubuntu, Mint & Co. nutzen“

  1. „Hey,
    kürzlich hat mich dieser schöne Themenvorschlag eines treuen Lesers per E-Mail erreicht: …“
    Das war ich. Und danke Stefan, daß Du Dir die Arbeit gemacht hast, das alles für einen IT-Dummy für mich zusammenzustellen, der reiner Nutzer ist. Auch den Hinweis von Paul finde ich sehr nützlich – danke!
    Nächste Woche schaue ich mir das alles einmal genauer an. Daß ich die „eierlegende Wollmilchsau“ nicht finden werde, ist mir bewußt.

    Antworten
  2. Danke für die umfangreichen Ausführungen.
    Einen Aspekt möchte dick unterstreichen: Microsoft geht ganz klar den Weg der Online-Apps und der Nutzung der Apps im Browser. Je eher man diesen mitgeht, desto schneller gelangt man an neue Funktionen in den Apps: denn MS veröffentlicht Neuerungen erst in den Online-Apps und dann verzögert in den Desktop-Apps. Auch Fehler werden in den Online-Versionen viel schneller behoben.
    Also ran an den Browser! Mehr braucht es nicht. Und dann laufen die MS-Apps auch auf älteren (Schul-)Rechnern 😉

    Antworten

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